Was ist Schulsozialarbeit ?

Die beiden Schulsozialarbeiterinnen stellen ihre Arbeit vor.

Interview mit Slobodanka Ignjic und Nicole Mattille

Können Sie uns erklären, was eine Schulsozialarbeiterin genau macht?

Die Schulsozialarbeit (SSA) will soziale Problemstellungen, welche die schulische Integration von Kindern und Jugendlichen gefährden oder welche das Schulklima und den Unterricht belasten, frühzeitig erkennen, erfassen und bearbeiten.

Was verstehen Sie unter „soziale Problemstellungen“?

Das sind persönliche Nöte von Kindern und Jugendlichen, wie z.B. Einsamkeit, Umzug, Notendruck, Mobbing, Streit mit den Eltern, Scheidung der Eltern usw. Diese Probleme können sich auf verschiedene Art und Weise im schulischen Umfeld auswirken: Schülerinnen und Schüler fallen durch negatives Verhalten auf, schwänzen den Unterricht, lösen ihre Hausaufgaben nicht, kommen oft zu spät, stören während des Unterrichts usw. Andere dagegen beteiligen sich immer weniger am Unterricht und wirken passiv und verschlossen.

Soll ein Schüler, der von Mitschülern geplagt wird, direkt zu Ihnen kommen?

Auf jeden Fall. Für die Anliegen der Schülerinnen und Schüler haben wir eigens Sprechzeiten ausserhalb des Unterrichts festgelegt. Zu diesen Zeiten kann man ohne Anmeldung bei uns vorbei kommen. Selbstverständlich können auch Eltern, Lehrpersonen oder andere Personen aus dem Umfeld mit uns Kontakt aufnehmen. Wichtig ist letztlich, dass ein Kind in Not Unterstützung erhält und dass jemand den ersten Schritt wagt. Unsere Aufgabe besteht im Folgenden darin, gemeinsam mit den Beteiligten herauszufinden, wer in welchem Rahmen dem Kind Hilfeleistungen anbieten kann.

Bedeutet dies, dass Eltern, welche in der Erziehung an ihre Grenzen stossen,  Sie um Rat bitten dürfen?

Richtig, Eltern können sich in Erziehungsfragen an uns wenden: wenn beispielsweise ein Kind nicht mehr in den Kindergarten will, die Tochter raucht oder der Sohn sich nichts mehr sagen lässt. Auch hier werden wir gemeinsam versuchen herauszufinden, welche Unterstützung nötig ist und wer diese bieten kann.

Sie sind Mitarbeiterinnen der Schule Zollikon. Können Ratsuchende sicher sein, dass keine Informationen an die Lehrpersonen gelangen?

Grundsätzlich sind wir an die Schweigepflicht gebunden. Es kann Situationen geben, in denen wir die Notwendigkeit sehen oder sogar dazu verpflichtet sind, Drittpersonen zu involvieren. Das geschieht jedoch immer in Absprache mit den Ratsuchenden!

Die Schule Zollikon erwartet von Ihnen auch präventive Arbeit. Wie wird diese aussehen?

Bisher waren wir vorwiegend im Bereich der Primärprävention aktiv. Darunter versteht man die Förderung der sozialen Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Dazu führen wir Klasseninterventionen zu den Themen „Umgang mit Alkohol“ und „Toleranz im Klassenzimmer“ durch. Uns ist jedoch wichtig, vermehrt auf der Ebene der Schulentwicklung mitzuwirken. Wir sind der Überzeugung, dass wir durch unseren Blickwinkel als Sozialarbeiterinnen und durch unser breites Tätigkeitsfeld innerhalb der Schule problematische Tendenzen erkennen und auf sie aufmerksam machen können. Diese Art von Präventionsarbeit sowie letztlich der eigentliche Aufbau der Schulsozialarbeit an einer Schule nehmen viel Zeit in Anspruch. Neben der täglichen Arbeit an Einzelfällen gilt es, viele klärende Gespräche zu führen, Grundlagenpapiere zu erstellen, Abläufe auszuhandeln und Vieles mehr. Wir stellen fest, dass wir mit einem Pensum von total 120 Stellenprozenten – verteilt auf drei Schuleinheiten inkl. Kindergärten – unseren Arbeitsalltag gut strukturieren und organisieren müssen, um allen Anforderungen möglichst gerecht zu werden.

Sie haben Ihre Arbeit an der Schule Zollikon im August 2009 aufgenommen. Was haben Sie in dieser kurzen Zeit erreicht?

Es freut uns, dass uns immer mehr Menschen ihr Vertrauen entgegen bringen und mit uns Kontakt aufnehmen. Das sehen wir als ersten Erfolg. Denn es ist ja manchmal schwierig, sich überhaupt einzugestehen, dass man Probleme hat, die man nicht selber lösen kann. Die Problemanerkennung und die Bereitschaft zur Veränderung sind Grundvoraussetzungen, damit Schwierigkeiten überwunden werden können. Hier ist die SSA auf die Kooperation aller Beteiligten angewiesen: von den Schülerinnen und Schülern über die Eltern, die Lehrpersonen, die Schulleitungen bis hin zur Schulpflege.