Psychische Gesundheit: Kinder und Jugendliche durch eigene Erfahrungen bestärken
Die Schule Zollikon hat zum Elternabend zum Thema «Psychische Gesundheit» eingeladen. Simone Hürlimann, Co-Schulleiterin der Sekundarschule Zollikon-Zumikon, begrüsste letzten Montagabend rund 60 Personen, darunter Eltern und Erziehungsberechtigte, Schulpräsident David Sarasin und einige Mitarbeitende der Schule – im Gemeindesaal in Zollikon. Sie hörten interessiert zu, wie Anke Schmidt, Sozialpädagogin in der Präventionsabteilung von Samowar Bezirk Meilen*, aufzeigte, worüber sich die in der Jugendstudie 2026 von Pro JuventuteExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. befragten Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren Sorgen machen:
- Jede/-r dritte Jugendliche sorgt sich um die Lage der Welt und die Gesellschaft
- Schul- und Ausbildungsstress bleibt auch in der zweiten Pro-Juventute-Jugendstudie der wichtigste Stressfaktor.
- Sinkende Selbstwirksamkeit: Nur noch etwas mehr als ein Drittel der Jugendlichen gibt an, aktiv gegen eigene Probleme vorgehen zu können – bei der ersten Befragung war es noch die Hälfte.
Umgang mit Stress – Strategien der Jugendlichen
Um mit Stress umzugehen, gaben über zwei Drittel der weiblichen Befragten an, Musik zu hören, bei den männlichen Teilnehmenden 52%. Etwas mehr als die Hälfte der weiblichen Teilnehmenden nutzt als Stressreduktions-Strategie die Medien (Internet, Gaming), bei den männlichen Befragten sind es mit 58,4% etwas mehr. Weitere Strategien reichten von sich zurückziehen, mit jemanden reden, Sport, Schlaf oder Humor. Immerhin erwähnten 28,2% der weiblichen und 22,5 % der männlichen befragten Jugendlichen, Erholung in der Natur als Strategie im Umgang mit Stress. Genau diesen Tipp erhielten die Teilnehmenden des Elternabends auch von Anke Schmidt, um die Jugendlichen zu stärken: Gemeinsam in die Natur gehen. «Das beruhigt, reduziert Stress und stärkt kreatives sich beschäftigten – auch wenn es manchmal zuerst langweilig erscheinen mag», erklärte die Sozialpädagogin.
Wachsende Mediennutzungsdauer und Auswirkungen auf Hirnentwicklung
Die tägliche Nutzungsdauer in den sozialen Medien variierte in der Studie, stieg jedoch am Wochenende an. Bei den 14–17-jährigen Befragten, gaben etwa 50% eine Nutzungsdauer unter der Woche von einer bis zu drei Stunden an, am Wochenende waren es knapp über 20%. Eine erhöhte Nutzungsdauer am Wochenende zeichnete sich zwischen drei bis fünf Stunden (knapp 40%) und fünf bis sieben Stunden (ca. 20%; unter der Woche waren es unter 10%) gemäss den Befragten ab.
Die wachsende Nutzung der sozialen Medien beschäftigte auch die Teilnehmenden im Saal. Anke Schmidt klärte sie auf, weshalb es Kindern und Jugendlichen an Selbstkontrolle fehle, und sie ihr Smartphone nicht nach einer vereinbarten oder bestimmten Zeit von selbst weglegen oder das Game nach einem Spiel beenden können. Ihr Gehirn, also der präfontale Cortex, entwickle sich bis Mitte 20. Dieser sei für dafür verantwortlich, dass wir als Erwachsene langfristig denken und planen, Konsequenzen abwägen und unsere Emotionen regulieren können. Die hormonellen Veränderungen in der Pubertät begünstigen starke Gefühle bzw. Gefühlsschwankungen und steigern die Risikobereitschaft. Deshalb fehle es Kindern und Jugendlichen an Selbstkontrolle. So gaben auch 57% der 14–17-Jährigen in der Studie an, Schwierigkeiten zu haben, mit der Mediennutzung aufzuhören.
Neuronale Netzwerke, die für kurzfristige Belohnung und impulsives Verhalten zuständig sind, werden durch die Mediennutzung besonders gefördert.
Selbstwirksamkeit stärken – konkrete Empfehlungen für Eltern
Anke Schmidt zeigte den Teilnehmenden auf, was Eltern/Erziehungsberechtigte für die Kinder und Jugendlichen tun können, um diese zu unterstützen und zu stärken: Selbstwirksamkeit.
Selbstwirksamkeit beschreibe «die subjektive Überzeugung, gewünschte Handlungen aufgrund eigener Kompetenzen erfolgreich bewältigen zu können und kann über die gesamte Lebensspanne hinweg entwickelt werden. Sie ist die wichtigste interne Ressource zum Erhalt der psychischen Gesundheit, soziale Unterstützung die wichtigste externe» fasste Anke Schmidt zusammen.
Dazu sind eigene Erfahrungen unerlässlich. Das heisst, die Kinder/Jugendlichen ermutigen, Dinge selber zu machen, sie Verantwortung übernehmen zu lassen, z.B. mit festen, altersgerechten Aufgaben im Haushalt, und Erfolgserlebnisse sammeln können. Anke Schmidt empfahl den Teilnehmenden, Anstrengungen statt Talent zu loben, Eigenständigkeit zuzulassen, Verantwortung zu übertragen, eine ermutigende Sprache zu verwenden und Fehler als Lernchancen zu betrachten. Ebenso wichtig für die Kinder/Jugendlichen sei es, ihnen emotionale Sicherheit, Vertrauen und Unterstützung zu bieten, ohne die Probleme sofort für die Kinder zu lösen.
Zum Abschluss stellte die Referentin die «10 Schritte für die psychische Gesundheit» vor: aktiv bleiben, Kontakte pflegen, sich entspannen, sich beteiligen, kreativ sein, Neues lernen, darüber reden, Hilfe annehmen, sich selbst annehmen und nicht aufgeben.
Rückmeldungen, Themen-Elternabende und Prävention
Die Teilnehmenden sagten, dass sie nützliche Hinweise und Informationen erhalten haben und nach diesem Abend einige Tipps mit nach Hause nehmen konnten, darunter folgende: Selbst Vorbild zu sein, u.a. bei der Nutzung von Medien, und bei diesem Thema stetig dranzubleiben.
Die Sekundarschule befragt jeweils die Eltern/Erziehungsberechtigten, zu welchen Themen sie Elternabende wünschen. So fand der letzte Themen-Elternabend zum Thema soziale Medien statt. Ausserdem stehen die Feel-Ok-Tage im November an, an welchen viele Präventionsthemen mit den Sekundarschülerinnen und -schülern besprochen und veranschaulicht werden, u.a. Mediennutzung und Umgang mit Stress.
* Samowar Bezirk MeilenExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. bietet kostenlose Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern/Erziehungsberechtigte sowie Präventionsangebote an.